Fazit

Ein aller aller aller letzter Post nun über meine Ankunft in Deutschland. Physisch schon ein halbes Jahr her. Im Kopf und Bauch werde ich Neuseeland aber wohl nie verlassen. Wie gesagt. Es ist jetzt ein Teil von mir. In mir. Mit mir.

Erstmal ganz trocken aufgelistet. Welche Türen haben sich geöffnet, welche Einblicke habe ich bekommen, welche Berufsgruppen sind mir näher gekommen?

- Handwerker: Tischler, Maler, Klempner, Teppichleger

- Hausmeister: Gärtner, Reparateur, Reinigungskraft, Fensterputzer

- Pädagoge: Handarbeitslehrer, Mathelehrer, Englischlehrer, Kunstlehrer

- Künstler: Gestalter, Schauspieler, Pianist

Ein Reichtum an Einflüssen, der mir auch in meinem nun begonnenen Architekturstudium immer mal wieder weiter hilft. Ich kann nur dankbar sein für jeden Lernmoment, der mich wachsen ließ. Meine Entdeckerlust ist ebenfalls gewachsen, meine Lebensenergie und mein Interesse an der Welt. Es gab eigentlich ausschließlich positive Veränderungen. Mir schmecken plötzlich mehr Lebensmittel, ich habe die Natur lieben gelernt, ich unternehme mehr, ich fühle mich gesünder, ich bin lieber unter Leuten, aber ich bin immer noch Jakob. Ich bin auch ein bisschen Barkob, aber dazu mehr im Abschlussbericht.

Meine Einstellung, also meine Lebenshaltung hat sich auch verändert. Die Seminare haben ihren Teil dazu beigetragen. Das Rückkehrseminar und das Engagement Kolleg, inzwischen auch schon ein paar Monate her, bildeten eine gedankliche Brücke von der neu entdeckten Welt zurück in die alte. Zurück in Deutschland, wo man sich siezt, wo die Bürokratie ihren Höhepunkt erreicht. Lustigerweise ist es in Neuseeland viel normaler, einen Fahrradhelm zu tragen, aber auf so etwas wie Fahrzeugpapiere oder abgeschlossene Haustüren wird weniger Wert gelegt. Der Umgang mit Menschen war in Neuseeland viel freundlicher. Ich hatte das Gefühl eines Kulturschocks also nicht in Neuseeland, sondern eher zurück in Deutschland. Aber von einem Schock kann eigentlich nicht die Rede sein. Es gibt auch in Deutschland viele nette Menschen!

Auf dem Rückkehrseminar Ende August in Darmstadt habe ich viele alte Gesichter sehen dürfen: Freiwillige und teils auch Teamer vom Vorbereitungsseminar. Es waren fünf besondere Tage, an denen man sich austauschen konnte mit Menschen, die im Gegensatz zu vielen anderen Menschen genau verstehen konnten, was man erlebt hat. Denn sie haben ähnliches erlebt. Andere Freiwillige hatten teilweise viel größere Probleme zu bewältigen und es war sehr bereichernd, Geschichten von anderen Auslandsaufenthalten zu hören. Der erst langweilig klingende Titel des Vortrags zum Thema „Wirtschaft neu gestalteten“ täuschte, ich ging sehr inspiriert aus dem Seminar und freute mich schon auf das nächste.

Für das Engagement Kolleg konnte man sich ein Angebot aussuchen, das einem vom Thema her am meisten zusagt. So bin ich im September für drei Tage nach Duisburg gefahren, um mehr über Gütesiegel zu erfahren. Es ging viel um Greenwashing, Nachhaltigkeit und verantwortungsbewusstes Konsumverhalten. Ich habe Menschen in der Stadt befragt und musste feststellen, dass kaum jemand aus voller Überzeugung biologisch angeschriebene Waren kauft. Fast alle waren misstrauisch. Außerdem habe ich auf dem Seminar meinen ökologischen Fußabdruck ausgerechnet (mein Lebensstil verbraucht 2 Welten) und ich habe viel darüber gelernt, wie ich besser auf unsere Umwelt achten kann.

Die Umwelt ist mir wichtig geworden. Nicht nur wegen der Wesen, die sie beleben, allein schon wegen ihrer Schönheit. In Neuseeland kann man die Natur besonders gut genießen. Deshalb hier eine letzte Fotostrecke, meine besten "Fußbilder":

Ich liebe Panoramas, egal wierum!
Ich liebe Panoramas, egal wierum!

Die Erfahrung eines Auslandsaufenthaltes kann ich nur jedem empfehlen, der so etwas noch nicht gemacht hat. Vielleicht ist ein Freiwilligendienst nicht für jeden das Richtige, aber für mich war es genau das Richtige. Es war in meinem bisherigen Leben das schönste Jahr, das ich erleben durfte.

Als kleine Zusammenfassung meines FJAs beende ich mit dem folgenden Abschlussbericht meinen Neuseeland-Blog. Der Bericht diente quasi als Beweis für das erfolgreiche Absolvieren meines Freiwilligendienstes und wird zukünftigen Freiwilligen der Te Ra Waldorf School einen kleinen Einblick geben, wie ein Jahr dort aussehen könnte.